Paternoster - Die Bedeutung des Paternoster

 
Theo Wuttke ist einer von zwei Hauptpersonen aus dem Roman ,, Ein weites Feld" von Günter Grass. Einst war er Vortragsreisender im Dienste des Kulturbundes, nun ist er Aktenbote im Haus der Ministerien. Täglich schleppt er Stöße voller Ordner von Abteilung zu Abteilung. Als Transportmittel zwischen den einzelnen Stockwerken diente ihm der alte Paternosteraufzug. Für die Person des Theo Wuttke, mit Spitzenamen Fonty, ist das Motiv des Paternosteraufzuges ein wichtiges Charakterisierungsmerkmal für den Ablauf der Geschichte. Der Paternosteraufzug, der immer und ohne Halt im Kreis herumfährt ist ein Symbol für die Wiederholung und die Gleichförmigkeit. Dieses Motiv läßt sich auf Fonty's Leben übertragen. Auch Fonty's Leben besteht aus einem eintönigen Ablauf. Seit den siebziger Jahren schleppt er die Akten und Ordner zwischen den Ministerien und fährt mit dem Paternoster von Stockwerk zu Stockwerk. Dieses Leben beherrscht Fonty schon seit langer Zeit und deshalb fällt es ihm auch nicht schwer aus dem Aufzug ein- und auzusteigen. Er findet großen Gefallen daran mit Hoftaller die ewigen Auf- und Abreisen zu unternehmen und sich dabei ausführlich und ohne Hektik zu unterhalten. Bei diesen Paternostergesprächen mit Hoftaller erfährt dieser wiederum auch durchaus Verwertbares für seine Spitzeltätigkeit. Hoftallers Abhängigkeit von Fonty zeigt sich nicht nur hier. Unfähig eine eigene Existenz zu führen, braucht Hoftaler Fonty als Lebenshilfe. Allein ist der Spitzel hilflos. Durch die langen Fahrten im Paternoster hat Fonty zudem viel Zeit um nachzudenken, es sind für ihn seine ,,mobilen Denkpausen",( S.505). Der vertraute Paternoster ist auch der Ort vieler wichtiger Ereignisse aus Fonty's Leben. So lernte er in einer Kabine seine spätere Geliebte Emmi kennen .Als jedoch später Vorschläge gemacht werden den Paternoster auszubauen, wird geradezu Fonty's Abhängigkeit zum Paternoster deutlich. Es war für ihn zum Lebensprinzip geworden. Die neue Zeit kennt aber keinen gleichförmigen Trott .Zwar setzt er sich dafür ein, den Paternoster unter Denkmalsschutz stehen zu lassen, aber das hat keine aufschiebende Wirkung. Hier zeigt sich, daß Fonty die täglichen Ruhepausen im Paternoster ",in Zeiten wie diesen" ,wo alles so schnell verändert wird, braucht. Die Denkpausen im Paternoster haben sich für ihn zu täglichen Vater-Unser-Gebeten gefestigt - Am Ende des Romans kommt es aber, für Fonty tragischerweise, zum Brand des Paternosters. Für Fonty geht eine Welt unter. Der Paternoster wird nicht mehr erneuert, da er als ,,hochgradig personengefährdend" bewertet wird. Dadurch nehmen nun Fonty's tägliche Kreisfahrten ein Ende. Fonty verschwindet plötzlich ohne jemandem Bescheid zu geben. Er verschwindet spurlos und beendet somit auch seine Tätigkeit beim Hause der Ministerien.